Bayerische Einzelpaddler-Vereinigung e. V.

Klaus Deichl Fischerstr. 1 85 221 Dachau

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April 2004

Einige Anmerkungen zu den Absichten der Fischer (an der Loisach). Anlass: der Aufsatz von Rolf „Gefahr für die Loisach?" im Kanu-Kurier

Bericht bei der Ressorttagung am 24.04.04 in Klingenberg

Nun zu den einzelnen Forderungen bzw. Behauptungen der Fischer:

1. Forderung auf Einschränkung des Bootsverkehrs wie auf der Ammer. Man kann hier einen Kompromiss anstreben, weil der Wunsch der Fischer verständlich ist. Allerdings muss klar gestellt werden, dass dies nicht dem Schutz der Natur dient! Dazu die Feststellung des Fischereiberaters von Oberbayern Wißmath: ... durch eine Verordnung (ist) das Befahren der Ammerschlucht mit bestimmten Booten an gewisse Zeiten und an gewisse Wasserstände gebunden wurde. Eine entscheidende Besserung der in den letzten 10 Jahren immer dürftiger gewordenen fischereibiologischen Situation vor Ort ergab sich hierdurch jedoch zunächst nicht. Ganz im Gegenteil: Die zu beobachtenden Fische und die Fangerträge nahmen weiter rapide ab. WIßMATH U.A.: Gutachten zur Fischereibiologie, zur Fischerei und zum Fischartenschutz in der Ammerschlucht, 28.11.1996, Seite 3

Anm. 1: Sollten die Fischer durch die Beschränkung des Kanusports eine Verbesserung der Fischerei beabsichtigen, so ist zu hinterfragen, wieso an der Loisach eine Maßnahme günstig sein soll, die an der Ammer keine Wirkung zeigte (weil sich der Kanusport eben nicht nachteilig auf die Fischerei auswirkt.

Anm. 2: Sollten die Fischer behaupten, dass dadurch die Vögel mehr geschützt würden, so sei vorsorglich STREHLOW zitiert: Die Amper wurde zwischen Ammersee und Grafrath 1982 zum NSG erklärt mit dem Verbot des Befahrens vom 1. März bis zum 15. Juli. Frage? Welche Wirkung hatte dieses Verbot? Zitat: „Heute stellt man bei einer Exkursion wesentlich weniger Arten fest als noch vor 15 Jahren." STREHLOW, Ammersee - Bericht 1986 - 1990 Orn. Anz., Band 31, Heft 1/2, 1992, Seite 6/7.

Zur selben Aussage kommt Diplom-Biologe M SCHÖDL für die Ammerschlucht: „Man muss aber auch sehen, dass sich die Anzahl der Brutpaare (Anm.: der Flussuferläufer) seit den 90er Jahren halbiert hat!" SCHÖDL, Kanusport auf der Ammer, kanu-kurier 2004, Heft 2, Seite 19. Leider gibt Schödl keine Zahlen an. Allerdings stimmt seine Angabe nicht, dass der Beginn der Beobachtungen 1996 erfolgte. In den Jahren 1991 -1993 wurden vom LBV und dem BN 8, 9 und 8 Brutpaare genannt und Werth ermittelte 1995 neun Brutpaare. Auch BEZZEL U.A. schreiben von einer „besonders intensiven Kontrolle" der Brutplätze in der Ammerschlucht in den Jahren 1991 -1994. Zusätzlich wurden in den Jahren 1966 bis 1981 für den Flussuferläufer wichtige Brutgebiete sporadisch besucht. Garmischer vogelkundliche Berichte, 1994, Seite 48.

Das ist jedoch wieder ein Beweis dafür, dass der störende Einfluss des Kanusports erheblich überschätzt wird. Damit ist auch eindeutig nachgewiesen, dass die Reduzierung des Kanusports nicht die beabsichtigten positiven Ergebnisse bringt.

Anm.3: In Bayern sind auf ca. 90 Gewässern Beschränkungen verschiedener Art für den Kanusport eingeführt. Es ist mir bisher nicht gelungen in der gesamten von mir durchgesehenen Fachliteratur - Fischerei und Avifauna - auch nur einen Beleg dafür zu finden, dass mit diesen Beschränkungen der beabsichtigte positive Effekt eingetreten ist. Im Gegenteil, sieh oben.

2. „Durch die Bootsfahrten in den Laichzeiten bei Niedrigwasserständen werden die Laich'Wanderung und das Laichgeschäft der Fische stark gestört. Die Bachforelle und Äsche könnten dadurch nicht mehr ablaichen, was Probefischungen und Beobachtungen immer wieder bestätigen. Außerdem werden die mühsam und für die Fische mit sehr viel Energieaufwand geschlagenen und mit Laich belegten Laichgruben, die für den Kanufahrer nicht sichtbar sind - nicht absichtlich und durch Unwissenheit über die Vorgänge am Gewässergrund - mit Paddel und Boot bei niedrigen Wasserstränden zerstört. "

Zuerst ist festzustellen, dass man weder durch Probefischungen noch durch Beobachtungen feststellen kann, dass das Laichgeschäft durch den Kanusport beeinträchtigt wird. Das sind nur einige der vielen, allerdings auf den ersten Blick plausiblen, Behauptungen der Fischer für die es keinerlei Nachweis gibt! Siehe auch XII.

Zu diesen Behauptungen der Fischer gibt es eine weitere Vielzahl von Einwendungen, die hier nur kurz angerissen werden sollen.

I. Der Bestand an Äschen ist bekanntermaßen seit geraumer Zeit sehr problematisch. Es wurde daher ein Äschenhilfsprogramm (genauer: Artenhilfsprogramm für die gefährdete Äsche), bei dem auch der Landesfischereiverband Bayern mitwirkt, ins Leben gerufen, das die Ursachen feststellen sollte. Untersuchungen u.a. auch an der Ammer und der Loisach haben ergeben, dass folgende Faktoren für den Einbruch der Äschenpopulation verantwortlich sind:

• Strukturveränderungen in den Fließgewässern durch deren Verbauung

• Wasserchemische Einflüsse mit damit einhergehende Verschlammung der Laichgründe und • Insbesondere der Fraßdruck fischfressender Vögel

Dass eventuell der Kanusport eine (Mit-)schuld haben könnte wird in keiner Weise festgestellt. Die Loisachfischer müssen schon genau darlegen, wieso dieses Ergebnis des Äschenhilfsprogramms auf einmal nicht mehr gelten sollte.

II. Die Laichzeit der Bachforelle ist tief im Winter angesiedelt, also nicht zu einer aktiven Kajakzeit.

III. Paddel- und Bootbewegungen sind im Vergleich zur Wasserströmung zu vernachlässigen. IV. Bisher ist wissenschaftlich leider gar nicht geklärt, inwieweit überhaupt mechanische Einwirkungen auf Kies bedeckte Laichgruben Laich schädigen können, ...wäre es eine gezielte wissenschaftliche Untersuchung wert, inwieweit ...Fischeier, die z. T. fünf bis 30 cm tief eingegraben sind, geschädigt werden.

V. Über die Reaktion von Fischen auf Bootsverkehr gibt es leider mehr Spekulationen als handfeste Untersuchungen. Langzeitstudien fehlen völlig. ... (es) ist schwer vorstellbar, dass sich Fische so nachhaltig von der Nahrungssuche vom Ablaichen abhalten lassen, dass sich der Kanusport negativ auf die Bestandsentwicklung auswirkt oder Vertreibungseffekte provoziert.

VI. Bachforellen, Äschen und Huchen heben jeweils zum Ablaichen eine Grube aus, die Bachforelle 15 bis 30 cm und der Huchen 30 bis 40 cm tief.

VII. Bachforellen sind Standorttreu, Laichzeit: Oktober bis Januar, Brut wird vor allem in kleine Nebenbäche eingesetzt, die dann im Lauf des ersten Lebensjahres ins das Hauptgewässer einwandert. Anm.: Laichen in der Loisach überhaupt Forellen oder nur in den Nebenbächen wie Neidernach?

VIII. Ein interessantes Zitat aus einer Fischereizeitung: „Die größten Auswirkungen haben Hochwässer auf die Eier der Kieslaicher, auf die Fischbrut und auf die Jungfische. Die Organismen, die nicht rechtzeitig abschwimmen oder in ruhigere Bereiche ausweichen können, werden durch die starke Strömung zerdrückt und zum Teil zwischen den Steinen zermahlen. Andererseits werden viele Fische nach „weiter unten" im Gewässer verteilt, so dass in diesen Bereichen ein Besatz erfolgt." Diese Aussage ist auch für die Ammer interessant!

IX. Der gleichen Meinung ist Limnologe Dr. H. STIBOR. „Allein Baumstämme und Äste, die ein Hochwasser mit sich reißt, können den Bach stärker umformen als es ein Kajak jemals könnte. Anm.: Nachdem Hochwässer durch Flussverbauungen und Entwässerungen immer häufiger auftreten ist die zwingende Folge, dass dadurch auch die Fische in immer höherem Maß gestört werden, nicht aber durch den Kanusport.

X. Auch physikalische Gründe sprechen gegen die Behauptungen der Fischer:

a. Ein 2,5 bis 4,5 m langes Boot liegt nie auf einer Vertiefung (Laichgrube!) auf, sondern immer an den höchsten Stellen.

b. Selbst wenn ein Boot Grundberührung haben sollte ist der Druck auf den Boden, den es ausübt, äußerst gering. Bei einer Bootsbreite von ca. 60 cm und einer Bootslänge zwi_ schen 2,5 m und 4,5 m und einem Gewicht von ca. 100 kg wirkt auf 1 dm" maximal ein Druck zwischen rd. 0,5 und 0,8 kg; und das nicht auf Vertiefungen! (100 kg/60 cm/2,5 m = 0,7 kg/dm2 2) Anm.: Das ist nur eine überschlägige Rechnung, die die Größenordnung des Drucks angibt. Das wäre der Druck, den ein Boot mit Fahrer ausüben würde, wenn es sich auf der Erde befinden würde. Die Zahlen wurden aufgerundet um die spitze Form der Boote zu berücksichtigen! Im Wasser wird der Druck mit jedem Liter Wasser, den das Boot verdrängt um 1 kg geringer.

c. Vergleicht man demgegenüber den Druck, den z.B. ein Fliegenfischer auf den Grund ausübt, so erhält man 80 kg/6 dm =13 kg/dm"! Dieser Druck wird im Gegensatz zu den Booten auch auf Vertiefungen (Laichgruben!) ausgeübt. Und das bei jedem Wasserstand! Der aussichtsreichste Weg den Laich zu schonen ist also, das Fliegenfischen aufzugeben! Anm.: 6 dm 2 ist etwa die Fläche eines Stiefels. d. Auch ein Paddel, das auf Grund stößt, verursacht keinen stärkeren Druck. Es wird ja bei Grundberührung nach hinten weggezogen und nicht weiter auf den Grund gepresst. Man will ja vorankommen und nicht das Boot hochheben! Siehe auch III und IV.

XI. Eine Meldung aus Fischer & Teichwirt: „ ... und die Kormorane wichen auf die Flüsse aus. Mit verheerenden Folgen: „Von Fischbeständen kann nicht mehr gesprochen werden". ... Man musste „die fast vollständige Vernichtung der Bestände von Bachforelle, Regenbogenforelle und Äsche" feststellen. ... An der Loisach bei Kochel konnte überhaupt kein Fisch mehr nachgewiesen werden. An der Maisach bei Palsweis waren es noch fünf Fische. "

Zu dieser Meldung sind einige Anmerkungen nötig. Der Loisachabschnitt bei Kochel entspricht natürlich nicht der Giesenschlucht. Interessant ist aber, dass es dort, wo praktisch kaum Kanusport betrieben wird keine Fische mehr gibt, wogegen es dort, wo viel Kanusport betreiben wird, anscheinend schon noch Fische gibt. Das Gleiche gilt für den Flussuferläufer an der Ammer. Aber anstatt zu erforschen warum das so ist, versucht man den Kanusport zu vertreiben. Das ist ein grundlegendes Problem des Naturschutzes, wie er praktisch immer betrieben wird: Man betreibt großen Aufwand um zu verhindern, dass sich eine weitgehend intakte Natur verschlechtert. Würde man den gleichen Aufwand treiben, um zu erreichen, dass sich der schlechte Zustand der Natur andernorts verbessert - z.B. an der Loisach bei Kochel, an Halbammer und oberer Ammer - würde man nicht nur verhindern, dass etwas schlechter würde, sondern man könnte sogar erreichen dass etwas besser würde!

XII. Abschließend sei bemerkt, Fischer stellen immer Behauptungen auf - ohne nähere Begründung -, sie selbst aber fordern Beweise! Dazu folgendes Zitat: „... von der Jagd und den Anglern gingen Störungen aus, die das von Vögeln besiedelbare Areal dramatisch einschränken, so handelt es sich bei dieser Behauptung um eine solche, die auch durch ständige Wiederholung in Teilen des amtlichen und von Amateuren betriebenen Naturschutzes nicht richtiger wird. Sie ist nämlich in dieser Allgemeinheit weder belegt, noch belegbar. " Anm.: Das Gleiche gilt für die Behauptungen der Loisachfischer!

Auf Grund dar oben dargelegten Gründe halte ich es durchaus für gerechtfertigt, den Fischern entgegenzukommen, damit auch sie ihren Sport in geeigneter Weise betreiben können. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass der Angelsport praktisch das ganze Jahr über betrieben werden kann, während der Kanusport ohnehin schon vor allem auf das Sommerhalbjahr und auf geeignete Wasserstände beschränkt ist. Aus diesem Grund scheint es mir auch erstrebenswert zu sein, eventuelle Beschränkungen nur als Empfehlungen auszusprechen wie im Abschnitt Grenze - Gschwandtsteg.

Zusätzlich sei bemerkt, dass sich die Fischer oft auf das Fischereirecht berufen. Ich bin kein Jurist, aber meines Wissens beinhaltet dieses Recht nicht die ausschließliche Nutzung eines Gewässers durch Fischer und es beinhaltet auch nicht die Garantie eines bestimmten Ertrags.

Wenn von Fischern bei Verhandlungen Behauptungen aufgestellt werden, so sollten diese nicht gleich offensichtlich bezweifelt werden, wir sind ja schließlich nicht allwissend. Man sollte diese Behauptungen eher als Neuigkeit auffassen und um nähere Hinweise bitten, wo man diese nachlesen kann. Oder man bittet um eine Kopie des entsprechenden Artikels. Auch der Diskussionsleiter sollte eine Kopie erhalten. Ins Protokoll aufnehmen! Nach einiger Zeit eventuell nachfragen!

Ergänzend dazu einige Angaben über die Zahl der Angler in Bayern und kritische Stimmen, die zeigen, dass der Angelsport nicht so unumstritten ist, wie er sich selbst darstellt.

„Etwa eine Viertelmillion Angler suchen in Bayern mit ihrem Hobby den beschaulichen Ausgleich in der Natur ... Etwa die Hälfte dieser Angler, nämlich rd. 120.000, sind im Landesfischereiverband Bayern organisiert." Rede des neuen Bayerischen Landwirtschaftsministers Josef MILLER, Wir Fischer, 1998, Heft 4, Seite 11

Anm.: Es gibt also allein in Bayern so viele Fischer, wie es Kanusportler in ganz Deutschland gibt!

„Prominente Vertreter des Naturschutzes, des amtlichen wie des privaten, fordern lautstark eine drastische Reduzierung der Zahl der Angler an den Gewässern auf l% des gegenwärtigen Standes." HOPFNER, H.: Ergebnisse des Gewässerseminars des VDSW .... Fischer & Teichwirt, 1989, Heft 9, Seite 270

„Vielmehr haben wir unsere natürlichen Gewässer zu einem ganz großen Teil einer Freizeitindustrie, einem Sport zur Betreuung überlassen, der Faunenverfälschung und Tierquälerei in einem bisher völlig unbeachteten Maße betreibt." Ökologieprofessor Hermann REMMERT in seinem Buch „Naturschutz", Springer-Verlag, Zweite Auflage, Seite 138

Das Gericht betont, dass die Einschränkungen nicht den Nachweis schädlicher Auswirkungen der Fischerei voraussetzen. Es genüge allein die Möglichkeit einer Belastung des Naturschutzgebietes durch die Ausübung der Fischerei. Wie wahrscheinlich die aufgezeigten Gefährdungen sind, könne offen bleiben, da sie nicht gänzlich außerhalb des Möglichen liegen.