|
Dr. Sebastian Hanfland vom Landesfischereiverband Bayern e.V.
widmete sich dem Fischbesatz im Wandel der Zeit. Mehr als 80 % der bayerischen Oberflächengewässer werden heute nicht mehr von Berufsfischern, sondern von Fischereivereinen bewirtschaftet. Daraus haben sich veränderte Rahmenbedingungen ergeben, die sich nicht an Gewinn oder Verlust orientieren müssen. Heute gilt der Grundsatz, dass ein intaktes Ökosystem keines Besatzes bedarf Was kennzeichnet aber ein intaktes Ökosystem? Es zeigt sich, dass sich die Fisch-Fauna in vielen, der oft als naturnah bezeichneten, Fließgewässern tatsächlich in einen sehr kritischen Zustand befindet. Oft wirken mehrere den Bestand schädigende Fak toren und addieren sich in ihrer negativer Auswirkung.
Diese Auswirkungen fiihrten in ihrer Gesamtheit dazu, dass heute über 90 % de Fließgewässer-Fischarten - und davon sämtliche Kieslaicher - aufgrund ökologischer Defizite in der Roten Liste stehen. Das Fazi ist: Die fischökologische Funktionsfähigkeit der meisten Gewässer ist sehr stark beeinträchtigt. Abhilfe tut Not - doch wie?
Die seit über 100 Jahren stattfindende Zerstörung der Gewässer ist vielerorts nich mehr rückgängig zu machen. Dort, wo es möglich wäre, stehen meist hohe Kosten oder auch der in privaten Interessen und Rechten begründete Widerstand Einzelner entgegen. So besteht nur die Alternative das zu bewahren was noch zu retten ist; mit anderen Worten: den Fischbestand zu erhalten und wenn möglich wieder aufzubauen. Mit Blick auf naturschutzfachliche und sozioökonomische Aspekte sind Besatzmaßnahmen in Fällen, in denen Fischbiozönosen geschädigt sind, durchaus ratsam. Sie sind neben der Defizitanalyse, dem Beheben von Schadfaktoren und dem Fischfang einer der Eckpfeiler nachhaltiger Bewirtschaftung.
Dr. Hanfland benannte nötige Schritte vor Besatzmaßnahmen. Bei Besatz sollten folgende Punkte Beachtung finden: Einzugsgebiete, Ertragsfähigkeit der Gewässer, Durchführung von Erfolgskontrollen, ganzheitliche Bewirtschaftungskonzepte über Fischereirechtsgrenzen hinaus und die Optimierung von naturnaher Aufzucht und Reproduktion. Ein Besatzkonzept muss an die spezifischen Anforderungen eines Gewässers angepasst werden. Nur wenn alle genannten Grundsätze eingehalten werden, kann mit Besatzerfolg gerechnet werden.
Quelle: AFZ Fischwaid 2/2010
|
|
|